

Die Geschichte des Naturmuseums Neuberg - Sammlung Schliefsteiner
Eine Entdeckungsreise durch die Tierwelt aller Kontinente …
Hinter den dicken Klostermauern im Schulhof des ehemaligen Zisterzienserstiftes empfing die Besucher*innen eine bunte und lehrreiche Tierwelt: Trophäen, Tierpräparate in naturnah gestalteten Dioramen und Schmetterlinge warteten darauf, entdeckt zu werden. Das Museum beherbergte eine der größten naturgeschichtlichen Privatsammlungen, die von Sammler Prof. Herbert Schliefsteiner (1925-2009) selbst gestaltet wurde, und gab einen Einblick in die Vielfalt der Tierwelt.
Vögel, Säugetiere, Reptilien und die bunte Welt der Schmetterlinge luden ein zum Staunen, Genießen und Verstehen. Viele der gezeigten Tiere sind bereits selten geworden, sodass das Museum auch Anregung zum Nachdenken über unsere bedrohte Umwelt bot.
Der Gründer
Schon in jungen Jahren zeigte Prof. Schliefsteiner großes Interesse an der Tier- und Pflanzenwelt unserer Heimat. Weil ihn das Zeichnen und Malen faszinierte, lag es nahe, dass er seine Motive vor allem aus der Natur schöpfte. Seine Landschafts-, Tier- und Pflanzenbilder sind in ihrer Präzision und Detailtreue unerreicht und fanden Aufnahme in zahlreichen Lehrbüchern. Reisen in verschiedene afrikanische und europäische Naturschutzgebiete gaben ihm vor Ort die Möglichkeit zahlreiche Skizzen anzufertigen.
1991 wurde das Naturmuseum im ehemaligen Stift Neuberg eröffnet. Jedes Präparat wurde von ihm in seiner typischen Haltung, in sein der Natur nachempfundenes Umfeld gestellt. An der Erweiterung der Sammlung hat er bis zuletzt ständig gearbeitet.
Durch seine einzigartige Sammlung, seine Bücher und seine zahlreichen Bilder wird er uns in ewiger Erinnerung bleiben.
Alles wird neu - Revitalisierung 2023-2025
Im Jahr 2021 wurde das Naturmuseum Neuberg von der Familie Schliefsteiner an die Marktgemeinde Neuberg an der Mürz übergeben und in weiterer Folge wurde der Naturpark Mürzer Oberland mit dem Betrieb des Naturmuseums betraut.
Wir durften in Kooperation mit OIKOS – Institut für angewandte Ökologie & Grundlagenforschung und der michael gletthofer kg – grafik design illustration ein Konzept für die Modernisierung und inhaltliche Neuaufstellung des Museums ausarbeiten, mit dessen Umsetzung wir im Frühling 2023 begonnen haben.
Unterstützung bei der Umsetzung der Archivierungsarbeiten und eine Einschulung in den Umgang mit den Schätzen, die im Naturmuseum Neuberg beherbergt sind, erhielten wir von den Mitarbeitern des Museumsforums Steiermark. Für die tatkräftige Unterstützung, die wir von dieser Seite erhalten, sind wir wirklich außerordentlich dankbar. Die Kolleginnen aus dem Museumsforum Steiermark haben ihre Eindrücke zur umfangreichen Sammlung von Prof. Schliefsteiner in einem Blog-Artikel festgehalten, den wir ihnen nicht vorenthalten möchten: Die Arche des Herrn Prof. Schliefsteiner
Über das Projekt StAF – Steirische Arbeitsförderungsgesellschaft konnten wir zwei Mitarbeiterinnen beschäftigen, die mit viel Herzblut und Engagement sämtliche Exponate der Ausstellung reinigten, dokumentierten und im neu installierten Schaudepot archivierten. Nach Abschluss dieser Archivierungsarbeiten begann die tatsächliche Umbauphase, die das Naturmuseum Neuberg zu einem interaktiven und modernen Ausstellungserlebnis für Jung und Alt gestaltet, in dem Artenvielfalt und Klimawandel erlebbar gemacht werden.
Das wehrhafte Steinadler-Weibchen
Als neue Betreiber des Naturmuseums Neuberg haben wir, als Einstieg in die Materie und um die Exponate besser kennen zu lernen, am Projekt: Wer bist du: Steiermark? des Museumsforums Steiermark teilgenommen.
Das von Herbert Schliefsteiner 1991 ins Leben gerufene Naturmuseum Neuberg beheimatet eine der größten privaten naturgeschichtlichen Sammlungen – und so war unser erster Schritt für die Teilnahme an diesem Projekt eine gemeinsame Besichtigung der Exponate mit dem Sohn von Prof. Schliefsteiner, Herrn Helmut Schliefsteiner.
Für das Projekt Wer bist du: Steiermark? haben wir dann ein ganz besonderes Präparat ausgesucht, bei dem wir glücklicherweise sehr viel über seine Geschichte wissen:
Ein stattliches Steinadler-Weibchen mit mehr als 2 Metern Flügelspannweite!
Im Frühsommer 1966 Jahre brütete dieses Steinadlerweibchen im Bereich der Schneealpe. Ein zweites Steinadlerweibchen drang in ihr Revier ein und die beiden begannen in der Luft einen erbitterten Kampf, bei dem sie sich gegenseitig tödliche Verletzungen zuzogen. Die beiden Adler stürzten ineinander verkeilt ab. Nicht restlos klären konnten wir, wer der Finder der beiden Vögel war. Zum einen wurde uns von verschiedenen Quellen zugetragen, dass der Senner Hans Pickl die beiden Adler auf der Schneealpe in der Nähe „Niederer Klopf“ fand. Angeblich brachte er sie zu Herrn Schliefsteiner, der seinen Bruder Franz Schliefsteiner mit der Präparierung eines der Adlerweibchen betraute und das Präparat einige Jahre später im Diorama „Greifvögel“ seiner Sammlung ausstellte. Es wäre allerdings auch möglich, dass es sich dabei um zwei Tiere handelt, die vom Blitz getroffen wurden. Unseren letzten Informationen zufolge wurden die beiden Steinadlerweibchen aber im Sommer 1964 von der Familie Heuberger vom Windberg aus bei ihrem tödlichen Kampf und Absturz beobachtet. Sie bargen die beiden Tiere im Bereich der Mitterbergschneid und brachten sie zur Michlbauerhütte, wo sie der Gendarmerie übergeben wurden. Die Gendarmerie übergab damals ein Adlerweibchen dem Joanneum in Graz und das zweite Adlerweibchen an den Präparator Franz Schliefsteiner.
Mit dieser mitreißenden Geschichte konnten wir beim Team des Museumsforums Steiermark punkten und das wehrhafte Steinadler-Weibchen ist eines von 50 Exponaten aus den steirischen Museen, die unter anderem in einem eigenen Katalog und auf sämtlichen Social Media Kanälen von Wer bist du: Steiermark? präsentiert wurden. Auch eine Sonderausstellung mit diesen 50 Exponaten wurde im Volkskundemuseum in Graz gestaltet.
Nach diesem Ausflug in die Landeshauptstadt ist unser wehrhaftes Steinadler-Weibchen wieder in Neuberg an der Mürz angekommen und wird auch im neu gestalteten Naturmuseum nach der Eröffnung 2025 wieder zu bewundern sein.
Weitere Details zu diesem Projekt finden sie hier.
Es wurde auch ein Film über das Steinadler-Weibchen und das Naturmuseum Neuberg gedreht: youtube.com.
